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Urlaubsfreuden mal so, mal anders

Quergedanken im Juli 2026 von Andreas Pecht

 

Andreas PechtFreund Walter und ich kommen ja, trotz gelegentlich heftiger Meinungsverschiedenheiten, bekanntlich prima miteinander aus. Doch hinsichtlich einer Sache musste ich ihm schon vor vielen Jahren einen Bescheid geben, der ihn damals arg irritierte: „Ich werde niemals mit dir zusammen in Urlaub fahren!" Mittlerweile weiß auch er, dass das eine kluge Entscheidung war. Der Grund dafür ist simpel: Unsere Vorstellungen von dem, was Urlaub sein soll, sind zu verschieden.


Für Walter ist Urlaubszeit ausschließlich Erlebnis- und Unternehmungszeit. Für mich soll Urlaubszeit in erster Linie Ruhe- und Erholungszeit sein. Die beiden Anliegen lassen sich schon allgemein nur schwer unter einen Hut bringen. In unserem Fall geht es gar nicht. Denn der Kerl hat in den Ferien einfach keine Ruhe im Hintern. Er will dann die Welt sehen, sagt er. Legendäre Städte und Stätten besuchen: Wien, Venedig, Rom, Dubrovnik, Prag, Paris, die Akropolis, die Pyramiden, die Alhambra ... Er will in Alpen und Pyrenäen wandern, auf den Vesuv steigen. Er will Irland, Schottland, Wales und die skandinavischen Lande befahren etc.pp.


Was heißt „will". Das meiste davon hat er in den Jahrzehnten seit wir uns kennen schon gemacht, Abstecher nach Asien, Afrika, Lateinamerika, inklusive. Jeden Urlaub anderwärts auf Achse – hinterher reich an Eindrücken, aber urlaubsreif; und in den letzten Jahren immer brummeliger. Weil: „Fast egal, wo du heute hinkommst, ist es dort schön oder interessant, sind immer schon Tausende, Zehntausende da. Allweil Volkswandertag in den Hochalpen, lautstark dauerfotografierende Touristenströme im Weltnaturerbe, Massengedränge in Altstädten, Domen, Schlössern, Museen. Obendrein überall Party-Halligalli. Ist nicht mehr schön." Der Freund mault, plant gleichwohl für den nächsten Urlaub bereits die nächste Erlebnistour und beginnt, darauf zu sparen.


So gemütlich wir übers Jahr in heimischen Gefilden beisammenhocken können, so ruhelos wird Walter, wenn Urlaub angesagt ist. Dann macht er Programm, Programm, Programm. Das ist nichts für mich. Gewiss, ein reiner Strandurlaub mag manchem gefallen, nichts dagegen. Für mich allerdings wäre das auch nix, denn ein bisschen was von Land, Leuten, Kultur in der Fremde mag ich schon kennenlernen. Doch das Alleschönste am Urlaub war für mich seit Ende der ruhelosen, von Abenteuerlust getriebenen Sturm-und-Drang-Zeit der Jugendjahre: Zwei oder drei Wochen ganz ohne Programm, Verpflichtungen, bindende Pläne. Morgens im Gästebett die Augen aufschlagen und sich sagen können: „Schaun mer mal, was der Tag so bringt und worauf ich nachher Lust habe." Das kann durchaus auch mal eine „Entdeckertour" durchs abgeschiedene Hinterland sein, oder ein Ausflug zu irgendeiner Sehenswürdigkeit (sofern dort nicht Millionen andere Ausflüger zu befürchten stehen).

 

Doch bleibt es ein „Vertrödeltag" nur mit kleinem Spaziergang, einigen Schmöker- oder Gedankenlosstunden in hübscher Umgebung, zwischendurch einem Eis auf die Hand und am Abend einem netten Essen im Restaurant – so darf ich mich hernach ohne schlechtes Gewissen dennoch freuen, einen wunderbaren erfüllten Tag genossen zu haben. Ohne etliche solcher „Vertrödeltage" wäre Urlaub für mich kein Urlaub. Walter stöhnt: „Ich würde wahnsinnig." Siehste, mein Lieber, deshalb fahren wir auch nicht zusammen in die Ferien, sondern urlauben auf getrennten Wegen. Der Freundschaft tut das keinen Abbruch, im Gegenteil.

 

Der Autor im Internet: www.pecht.info

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