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25 Jahre Gauklerfest, 35 Jahre Café Hahn, 60 Jahre …

2016 kann Berti Hahn gleich drei Jubiläen feiern: eines ganz privat, zwei im Dienste des Koblenzer Kulturlebens
Von Andreas Pecht

 

Café HahnDreifachjubiläum im Hause Hahn. Berti Hahn wird in diesen Tagen 60 Jahre alt. Sein Café Hahn feiert heuer 35. Geburtstag. Und obendrein jährt sich die Hahn-Erfindung des Koblenzer Gauklerfestivals zum 25. mal. Da manifestiert sich in Person und Ereignissen eine geballte Ladung jüngerer Kulturgeschichte ums Rhein-Mosel-Eck. Die nahm ihren Ausgang 1981, als der gelernte Konditor Karl Hubert Hahn alias Berti das väterliche Café Hahn in Koblenz-Güls zum gleichnamigen Musik- und Kleinkunstclub umfunktionierte. Dies nur als Hinweis für die jüngeren Leser. Die älteren kennen die Gründungsgeschichte des Café Hahn gut, auch weil sie anlässlich früherer Rundgeburtstage in diesem Magazin wiederholt erzählt wurde.


Wir treffen Berti zum Gespräch über die Jubiläen im Gülser Büro zwei Tage vor dem Weltmusikfestivals „Horizonte” auf der Festung Ehrenbreitstein. Auch das ist ein Hahn-Kind, wurde 2003 aus der Taufe gehoben. Weshalb die Zeit für unsere Plauderei knapp bemessen ist. „Das geht jetzt Schlag auf Schlag: Horizonte, Gauklerfest, Hahn-Jubiläumsfestival; dazu die den Sommer durch auf der Festung stattfindenden Musik-Reihen Rheinpuls und Rheinklang etc. pp.”, rattert mein Gegenüber herunter. „Die Vorbereitungen fürs Festungsvarieté oben und Weihnachtsvarieté hier im Café Hahn laufen auch schon” – und das normale Hahn-Programm sowieso. Wie soll man nennen, was der 60-Jährige und seine überwiegend junge Mannschaft in der Schaltzentrale vis-a-vis des 2003 durch Umbau des Vorgängers entstandenen „neuen” Café Hahn ausstrahlen? Der widersprüchliche Begriff „gelassene Hektik” drängt sich auf.


Alle wissen, wie‘s geht, wie‘s läuft und dass Feierabend erst ist, wenn die Sache steht. Man arbeitet schließlich nicht das erste Mal unter dem Hochdruck gehäufter Anforderungen, weiß, dass Zuckerschlecken anders geht und es meist dort hakt, wo man es am wenigsten erwartet. Seit Hahn im BUGA-Folgejahr zusätzlich zum Betrieb des Stammhauses in Koblenz-Güls nebst diverser Engegaments in Stadt und Umfeld auch die Verantwortung für Gastronomie und Events auf der Festung Ehrenbreitstein übernommen hat, sind die Anforderungen um ein Vielfaches gestiegen. In neuer Dimension hatte und hat sich zu bewähren, was über die drei Jahrzehnte zuvor stets tragende Backgroundsäule der Marke Café Hahn war: starkes Teamwork auf Basis professioneller Erfahrung in einem kaum je einfachen Geschäft. Berti, die quasi personifizierte Erfahrung, formuliert das anders: „Ich hab‘ hier tolle, engagierte Leute, ohne die das alles gar nicht zu machen wäre. Das kannst du gerne schreiben, denn sie haben es verdient.”


Berti HahnNaturgemäß ruckelt über so lange Zeit das große Rad auch schonmal oder dreht sich in eine etwas andere Richtung als angedacht. 2014 saßen wir noch zu viert beim Gespräch zusammen. Denn mit der Übernahme der Verantwortung auf der Festung hatte Berti Hahn 2012 zwei junge Leute, Björn Ruhnke und Philipp Pützer, als geschäftsführende Mitgesellschafter ins Boot geholt. Sein persönlicher Plan für das ins Alter voranschreitende Leben war: Die beiden sollten Zug um Zug den Laden übernehmen, während er selbst sich peu à peu aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Das hat nicht geklappt. „Wir trennten uns Ende 2015 im Guten”, sagt Berti – der nun die Verantwortung für das ganze Hahn-Unternehmen mit seinem riesigen Aufgabenrepertoire und seinen 65 Festangestellten nebst 150 Aushilfen wieder in Gänze selbst an der Backe hat.


Und was macht das mit dem Manne? Traurig oder bedrückt sähe anders aus. Er wirkt putzmunter, quirlig, unternehmungslustig, ja bestens gelaunt; wie ehedem denkt er schnell, spricht noch schneller und sagt von sich selbst: „Ich fühle mich gesund, meine Arbeit macht mir richtig Spaß – und dank hervorragender Mannschaft kann ich mir sogar ein paar schöne Freiräume schaffen.” Er singt mit Ernst das Loblied auf langjährige verlässliche Kooperationspartner, vorneweg auf GDKE-Chef Thomas Metz als Hausherrn der Festung, auf den in den 1990ern gegründeten Förderverein Café Hahn mit seinen 2500 Mitgliedern oder auf den Jazzclub Koblenz als in Freundschaft mit dem Hahn verbundenem Verein von Anfang an.


Der Berti hat auch seine Kanten, bisweilen kann er gar grantig werden. „Ich bin nicht everybodys darling”, meint er und erzählt vom Aneinanderrasseln mit Ämtern, Anwohnern, Firmen, wie es das Business eben so mit sich bringt. „Da musst du auch mal die Ellbogen ausfahren.” Tut er dann, um am Ende „dem Publikum zu bieten, worauf es Lust und woran es Spaß hat”. Ganz einfach war es nicht, das Gauklerfest bis ins 25. Jahr zu bringen. Dereinst gegründet zur kleinkünstlerischen Bereicherung der 2000-Jahr-Feier der Stadt Koblenz, war dieses Meeting von Gauklern, Zauberern, Clowns, Poeten, Kabarettisten, Comediens vom Start weg so erfolgreich und beliebt, dass es als alljährlich innerstädtischer Event etabliert wurde. Dann beschloss 2012 der Stadtrat, das Festival nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. „Das funktioniert nicht”, protestierte Szenekenner Hahn, „so geht das Gauklerfest kaputt”. Der Kompromiss: Das Festival wird im jährlichen Wechsel mal in der Stadt, mal auf der Festung veranstaltet.


Diese Lösung trug nicht lange. Dann kam die Frage an Hahn und Metz, ob sie das Gauklerfest nicht ganz auf die Festung nehmen wollen. Sie wollten. Weshalb es nun GAUKLERFESTung heißt, vom Förderverein Café Hahn getragen wird, von allerhand Institutionen, Firmen, Privatleuten unterstützt – und von 29. bis 31. Juli zum 25. Jahrgang mehr als 100 Künstler auf sieben Bühnen in der Festung Ehrenbreitstein bringt. Was Berti ärgert, sind vereinzelt erhobene Vorwürfe, er habe sich das Gauklerfest unter den Nagel gerissen: „Was für ein Quatsch. Wir haben es vielmehr gerettet und für die Zukunft gesichert”, ist er überzeugt.


Am 27. August folgt das Jubiläumsfestival „35 Jahre Café Hahn” auf der Festung. Natürlich gibt es anlassgemäß vorweg einen Festakt mit Offiziellen, Honoratioren und langjährigen Mitstreitern aus Stadt und Land; auch der neue rheinland-pfälzische Kulturminister hat sich angesagt. Aber ab 18 Uhr und bei freiem Eintritt wird dann auf dem Festungsgelände vor und um fünf Bühnen abgefeiert – mit Dutzenden von namhaften Bands, Gruppen, Einzelkünstlern, die seit Jahren oder Jahrzehnten immer wieder beim Hahn zu Gast waren. Wer kommt, kommt gerne und diesmal ganz ohne Gage, um einzustimmen ins muntere „Happy Birthday, Café Hahn!”.


Infos: www.cafehahn.de



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